Dienstag, 16. November 2010

Chaos beim biblischen Personal


Dass mein Ausflug in den Baumarkt so lustig werden würde, hätte ich nicht gedacht. Urplötzlich verfing sich mein Blick in einem Regal mit Mini-Weihnachtskrippen. Irgendetwas stimmte hier nicht. Und wirklich, nach ein paar Sekunden Verwirrspiel wusste ich, was es war: In einer Krippe gab es offensichtlich eine kleine Umbesetzung der biblischen Familie. Dieses Kleinod musste ich einfach kaufen. Und schon beim Verlassen des Marktes ersann mein Kopf tausend lustige Geschichten, wie es zu dieser seltsamen Gesellschaft kommen konnte.
 
Ich stellte mir vor, dass irgendwo im fernen Indien jemand saß und Krippen für den Export zusammenklebte. Da gingen ihm die Josefs aus. Nicht vertraut mit den himmlischen Charakteren, aber ausgestattet mit einer guten Portion Pragmatismus, schritt er zur Tat. "Mensch, da kleb' ich doch glatt noch ne Frau dazu. Was haben diese Männer auch bei der Brutpflege verloren. Und außerdem ist es so viel hübscher."

Dann stellte ich mir vor, ich arbeitete in einer Fabrik, die Dekorationsartikel für ein indisches Götterfest produziert. Wüsste ich, dass vielleicht Kali ausschließlich neben Durga thront und Shiva unter Umständen nie doppelt geklebt werden darf? Es ist spannend, was passieren kann, wenn man mit dem kulturellen Hintergrund eines fremden Landes nicht vertraut ist, etwas vermeintlich schöner macht und dann am anderen Ende der Welt eine Christin verwirrt ins Baumarktregal blickt und sich ganz nebenbei die Weihnachtsgeschichte in Erinnerung ruft, um sicher zu gehen, dass sie den Punkt mit der jungfäulichen Empfängnis nicht irgendwie anders in Erinnerung hat.

Damit niemand denkt, ich hätte die beiden Damen vereint: Das war wirklich so eingeschweißt!

Kommentare:

  1. Vielen Dank für den Kalauer des Abends. Ich habe mich köstlich amüsiert.
    Liebe Grüße von Inken

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  2. Einfach göttlich ;) Im ersten Moment fiel mir nur die emanzipierte, gleichgeschlechtliche Ehe zu Deiner Krippe ein...

    Gekauft hätte ich sie übrigens auch, obwohl ich mit Weihnachten so garnichts am Hütchen habe.

    Greets,
    Liese
    *die besagte Krippe wg. ihrer Weihnachtsallergie wohl auch niemals gesehen hätte*

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  3. ...das mit der gleichgeschlechtlichen Ehe war auch mein erster Gedanke und deshalb schenke ich die Krippe wohl auch einer lieben Freundin und ihrer Lebensgefährtin, die sich über die kleine Umschrift der Weihnachtsgeschichte diebisch freuen werden :o)

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  4. Ha, das wird ja immer besser, ich kann es mir richtig vorstellen :-)))

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  5. Das ist ja total luschdig!
    Hätte mich weg schmeissen können :))
    Ich frage mich ernsthaft, wie oft ich an solchen Krippen wohl schon vorbei gelaufen bin, ohne irgendetwas bemerkt zu haben!
    Wirklich GESEHEN hab` ich solch eine Umbesetzung noch nicht.
    Und die Idee mit dem Geschenk an Deine Freundin find` ich einfach nur grandios!
    Viele liebe Grüße,
    Andrea

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  6. Da fällt mir ein Witz ein.
    Marie wird gefragt, warum sie den so unglücklich ausschaue. Darauf antwortete sie: "Ich wollte eine Tochter."
    Was wäre wohl geschehen, wenn Jesus wirklich ein Mädchen geworden wäre?

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