Mittwoch, 27. Juli 2011

Ein Lace-Tuch spannen - jeder macht es etwas anders


Kennt Ihr das: Ihr habt viele Tage, vielleicht Wochen an einem schönen Strickprojekt gearbeitet, seid fertig und würdet es am liebsten gleich anziehen wollen? Tja, leider sehen die meisten Stricksachen so frisch von der Nadel gar nicht schön aus und man steht vor der nächsten Herausforderung: Das Spannen. 
Ich gebe zu, bei meinen ersten Lace-Tüchern ist mir das gar nicht so leicht gefallen, alles gleichmäßig aufzuziehen. Doch mittlerweile habe ich eine ganz gute Methode. Auch hat mir meine Freundin und Wollfachfrau Babette Eymann von Magliamania hier und da wieder ein paar wertvolle Tipps gegeben. Ich stelle Euch mal vor, wie ich vorgehe und würde mich ganz doll freuen, wenn Ihr mir Eure Kniffs verraten würdet. Was macht Ihr anders? Welche Tipps habt Ihr?

I do it this way

Also, ich vernähe erst einmal alle losen Fäden und zwar so, dass sie noch rund 5 cm überstehen. Denn - und diese Erfahrung musste ich auch erst machen - beim Spannen ziehen die sich ja nochmal stärker ins Gestrick und sind sonst zu kurz. Sie werden dann erst nach dem Trocknen abgeschnibbelt.


Dann trägt man das hübsche Tuch ins Bad. Auf der einen Seite mag man noch gar nicht glauben, dass sich aus diesem knuddeligen Wolltuch mal ein wunderschöner Spitzenschal entfaltet. Auf der anderen Seite habe ich aber auch immer ein wenig Angst davor, die teure Wolle ins Wasserbad zu werfen. Wird mein Alpaca das Bad unbeschadet überstehen? Wie auch immer: Das Strickstück nimmt erst einmal ein Bad im handwarmen Wasser.
 
Ich lass das Gestrick so 10 Minuten einweichen, damit sich die Fasern voll Wasser saugen könnnen. Aber auch hier gilt, was für die Wäsche guter Wolle an sich gilt: Nicht so viel bewegen. Die Fasern bestehen aus ganz feinen Hornschüppchen, die jetzt aufquellen. Unbehandelte Wolle hat keinen schützenden Synthetik-Überzug, der die Fasern glatt hält (das macht sie gerade so wunderbar atmungsaktiv auf der Haut). Würde man jetzt das Wollgestrick stark bewegen, verzwirbeln und verfilzen sich die Fasern, das Strickstück wird kleiner und - naja, wir kennen das Ergebnis von diversen Waschmaschinenunfällen :o)
Ich falte das Stricktuch nun vorsichtig und drücke schon mal sanft überschüssiges Wasser aus den Fasern. Auf dem Bild sieht es sehr chaotisch aus, aber tatsächlich habe ich das Tuch zweimal gefaltet und dann schon ansatzweise in ein Handtuch gewickelt.

Man wickelt das Strickgut dann ganz ein und wringt das Handtuch aus. Das hat den Vorteil, dass man nicht zu sehr an den Maschen zerrt.
So, nun muss man eine Entscheidung treffen: Welchen Ort in der Wohnung blockiere ich für die nächsten 2 bis 3 Tage? Und man darf sich da keine Illusionen machen: Ein gespanntes Tuch nimmt locker mal 4 Quadratmeter Wohnfläche ein. Bei mir jedenfalls macht das Probleme, denn dieser Ort muss auch noch die Möglichkeit bieten, dass man einen feuchten Lappen mit Nadeln festpinnt. Ich hab mir dafür irgendwann mal diese Spielmatten gekauft. Die sind praktisch, weil man sie einfach stapeln und im Keller verstauen kann. Dieses Mal habe ich mich aber für das Bett entschieden, weil das Tuch wirklich sehr groß ist und ich den Fußboden nicht blockieren wollte - wahrscheinlich heißt das Spannen im Englischen deshalb blocken :o)
Dann braucht man viele, viele Stecknadeln. Ich nehme immer extra lange  Nadeln (also rechts die im Bild), weil man sie leicht schräg tiefer in den Untergrund stechen kann. Und man sollte darauf achten, dass es rostfreie Nadeln sind. Rote Flecken im Gestrick gehen nicht mehr raus und sind super ärgerlich.
Ich lege immer auch ein Handtuch unter. Dann beginne ich bei Tüchern oben (Hals) in der Mitte und spanne von dort erstmal beide Flügel so, dass sie gleich lang sind, pinne also die Ecken rechts und links im gleichen Abstand. Viele ziehen noch Kabel oder Stäbe während des Trocknens ein. So freaky bin ich noch nicht - bei filigranerer Strickspitze würde ich das aber auch machen. Als nächstes stecke ich die Spitze des Tuchs fest.
So etwa...

Und dann zuppel ich immer seitengleich und abwechselnd die Spitzen zurecht und pinne sie ebenfalls in die Unterlage.
So, dann noch nachjustieren, damit alles gleichmäßig ist.
Und dann heißt es warten, warten, warten, bis das Strickstück wirklich durchgetrocknet ist. Auch da hab ich aus Ungeduld schon Stricksachen zu früh wieder losgemacht und dann hat sich das tolle Muster leider wieder zurückgezogen. Aber dann, wenn man tausendmal drübergestreichelt hat und irgendwann feststellt: Hey, mein neues Teil ist trocken, dann kann man alles vorsichtig abnehmen und es spazieren führen :o)

So, das war meine Spann-Philosophie. Die alten Strickhasen unter Euch werden - soweit sie diesem Beitrag überhaupt Beachtung geschenkt haben - die Augen rollen oder sich totlachen, wie man über so viel Selbstverständliches so viele Bilder und Worte verlieren kann. Hm. Für mich war das alles gar nicht so selbstverständlich, als ich mit dem Lace-Stricken anfing. Und außerdem hoffe ich ja auch auf Eure weiteren Kniffe und Geheimtipps :o)

Kommentare:

  1. Hallo Kathness,
    Danke für Deine ausführliche Anleitung. Ich habe mich noch nie an das Stricken von Lace-Tücher gewagt, bisher sind immer nur Socken von meinen Nadeln gehüpft. Aber wenn ich mich doch mal trauen sollte, ein Lace-Tuch zu stricken, werde ich mich an Deine Anleitung zum Spannen halten. Vielen Dank für den tiefen Einblick!
    Dein Tuch ist übrigens wunderschön geworden.
    Liebe Grüße
    Maike

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Kathness,
    das Tuch ist toll und dein Verfahren war auch immer meins gewesen. Doch seit Kurzem spanne ich meine Strickstück mit Hilfe von Schweissstäben.
    Guck doch mal hier:
    http://knitbee29.blogspot.com/2011/07/tuch-ist-fertig.html

    ♥lichen Gruß
    Bine

    AntwortenLöschen
  3. Huhu, Bine,
    ui, wie fein. Allerdings kann man damit keine "Zippelränder" spannen, oder? Verrätst Du uns noch, wo Du die Schweisstäbe her hast?
    Liebe Grüße
    Kathness

    AntwortenLöschen
  4. Ja natürlich in einer Schweisserei hier bei uns im Stadtteil Nilkheim, wie die heissen weiss ich allerdings nicht mehr, sorry.
    ♥lichen Gruß
    Bine

    AntwortenLöschen
  5. Hihi, und ich hab mich schon gefragt, weshalb die Schweißstäbe heißen :o) Ich dachte, die seien vielleicht extra zum Spannen von Tüchern und hätten irgendwie flexibel verstellbare Längen mit Eckhülsen und sowas. In den USA gibt es so Spezialausrüstung ja zu kaufen.
    Danke und Liebe Grüße von der Strickfront :o)

    AntwortenLöschen
  6. Du hast nur vergessen dazu zu schreiben, dass man bei einem Wasserbett besser nicht auf dem Bett spannt ;-)
    Scherz beiseite. Ich mache das genau wie du und habe eine Matratze, die ich im Wohnzimmer ausbreiten kann. Drähte habe ich auch, allerdings nicht diese Schweißdrähte zum Zusammenstecken.
    LG
    Anja

    AntwortenLöschen
  7. Hihi, das stimmt: Ein Wasserbett gäbe ne schöne Sauerei. Auch Menschen mit Luftmatratze sind unter Umständen im Nachteil ;o)
    Ich hab mal statt Metallstangen ne lange Rundnadel im Nackenteil gelassen und die dann festgepinnt. Das ging auch ganz wunderbar.
    Ich frage mich gerade, wie man meinen Kommentar hier verstehen würde, wenn man den Zusammenhang nicht kennt...
    Gute Nacht wünscht Kathness

    AntwortenLöschen
  8. Wie schön, dass eine ein gutes Gedächtnis hat.
    Frau WollTraum konnte sich an den Namen erinnern, es ist die Firma Adam Scheidter in Nilheim.
    ♥lichen Gruß

    AntwortenLöschen
  9. Schweissdrähte gibbet im Baumarkt für ganz wenig Geld,ist aber immer noch besser als 10'000Nadeln einstecken zu müssen.Für die die eine/mehrere Katzen haben die gerne helfen möchten:seit ich dummerweise mal Abends ein Tuch auf eine Matratze gepinnt habe und viel Hilfe erfuhr....empfehle ich diese Arbeit auf den Vormittag zu legen weil dann die Tür zugemacht werden kann tagsüber;))

    AntwortenLöschen
  10. Hallo, bin Lace-Frischling und auf der Suche nach GENAU einer solchen Anleitung im www auf deinem Blog gelandet. Vielen, vielen Dank für die ausführliche Anleitung, jetzt bin ich um Einiges schlauer! Also ich bin froh, dass du über so was Selbstverständliches so viele Fotos und Worte verloren hast. :-)

    AntwortenLöschen
  11. Hallo Kathness,
    ich reihe mich bei den Frischlingen ein *michhinterstoffsuechtigeanstell“. Hatte letztes Jahr meinen ersten (und einzigen) Schal aus Lace gestrickt und war ganz schön enttäuscht von dem Ergebnis. Heute habe ich das neue Wellentuch von Fliegenpilzle bewundert und gelesen, dass sie es GESPANNT hat *GlühbirnchenimKopfaufleucht*. Habe bei ihr nachgefragt, wie das denn geht, und sie war so nett und hat mir den Link zu dieser tollen Anleitung geschickt. Wow. Super erklärt.
    Keine Kniffe und Geheimtipps von mir, nur ein großes DANKESCHÖN.

    Einen lieben Gruß
    Frau S., die schon gespannt ist, wie ihr Schal nach dem Akt aussehen wird und ihr Wasserbett NICHT zum Spannen benutzten wird….. Vielleicht die Turnmatte??? Aber das wird der roten Katze nicht gefallen, sie liebt die Turnmatte!………… Keiner hat erwähnt, dass man Korkboden meiden soll, vielleicht wäre das eine Möglichkeit……Aber nee, da stolpert Männe bestimmt drüber……….. Das Gästebett? Aber in dem Raum ist es kalt, da trocknet der Schal ja ewig………*grübelgrübel*

    AntwortenLöschen